Freitag, 18. Juli 2008

Vom Weg

Mittwoch, 12. September.
Ich stehe um 6.00 Uhr auf. Waschen, Frühstück für Pilger vorbereitet - Kaffee, Brot, Margarine, Marmelade, Nutella. Ich bitte um einen Stempel, aber Stempel hatte diese nette Holänderin, die mich gestern reingelassen hatte. Heute sind sie nicht da, weder sie, noch der Stempel. Es soll meine erster Stempel im Pilgerpass sein, ich möchte nicht sofort verzichten. Ich gehe spazieren. Schaue mir die Jakobs-Kirche an. Aus den engen Gassen erscheinen die Pilger und gehen Richtung Westen. OK, also ich weiß, wo ich hin muß. Auf dem Kirchenplatz ein kleiner Labirynth, auf dem ich meine kleine Runde drehe. Ich gehe in die Herberge, wo man mich gestern nicht reingelassen hatte. Heute gehen aus dem Haus massenweiße Pilger aus. Im Flur der Herberge sitzt auf einer Bank eine überlebensgroße Figur von einem Pilger mit allen wichtigen Attributen: Pilgerstab, Hut, Jakobsmuschel. Ich bekomme meinen Stempel, kehre zurück zu meiner Herberge, packe die Sachen raus und gehe.
In der Stadt sieht man überall blaue Schilder mit Ikons eines Pilgers und einer Muschel. Das sind meine Wegweiser, die ich leicht erkennen kann, aber als ich aus der Stadt raus bin, sehe ich mich unbeholfen um. Keine Ahnung, wohin ich gehen muß. Ich habe keine Karte, keinen Reiseführer, nur einen Zettel, den ich in der Herberge gefunden habe. Daher weiß ich, dass mein Ziel für heute Najera ist. 25 Kilometer. Ja, Allah, 25 Kilometer, aber wohin?

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