Mittwoch, 16. Juli 2008

Der 1. Tag


Dienstag, 11. September 2007. Ich weiß nicht, weshalb, aber in meinem Heft habe ich den Tag als 9. September aufgeschrieben. Es ist aber sicher, dass es der 11. September ist. Weil alle sich gewundert haben, dass ich den Tag für meinen Flug nach Madrid gewählt habe. An dem Tag waren die Karten am billigsten. Vielleicht deshalb.

Nachts träumt es mir, dass ich nach Spanien ohne meiner Wanderschuhe gereist bin, nur in Stockelstiefel.
Ich gehe um 8.00 Uhr von Zuhause weg. In der Bonifatius-Kirche läuten die Glocken. Es ist Neumond.

In der U-Bahn vier ältere Frauen. Sie fahren zur Kur. Mit einem vorweg getroffenen Entscheidung: "Wir ärgern uns nicht, egal was kommt". Klingt wie eine Intention. Die muss ich auch mal laut sagen: Ich gehe nach Santiago di Compostela und dann nach Finisterre. Im Rucksack Ein Beutel Tabletten. Sie werden ins Meer wandern. Mit mir oder ohne mich. Heute weiß ich es gar nicht, obwohl im Laufe der Vorbereitungen hatte ich nur dieses Ziel vor Augen. Nach Finisterre kommen, ins Meer gehen, Hundert Tabletten schlucken... Wenn ich es nicht tun werde und nach Berlin zurück komme, dann werfe ich sie ins Meer. Kurzum, es ist nicht klar, was mit mir passieren wird, für die Tabletten dagegen steht ihre Schicksal schon fest bestimmt.
Seit vielen Tagen schleppe ich mich mit einer schrecklichen Erkältung mit. Irgendwie schaffe ich es, ich gehe ins Büro, arbeite erfülle meine Pflichten, lächle die Leute an. Wie falsch ich bin. Wenn ich es tatsächlich tun werde, da habe ich mir ziemlich teure Todesart ausgesucht.
Ich fahre mit dem Bus nach Logrono. Aus Logrono sind es genau 600 Kilometer nach Santiago. 700 nach Finisterre. In Logrono gab es gerade einen ETA-Attentat. Es ist immer noch Baskenland. Das heißt, ich beginne meine Wanderfahrt am 11. September am Tag eines Attentats im Baskenland.

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